Ganz langsam entdeckt auch die Pharmaindustrie die „value-added services“ (VAS)* für sich. Andere Industrien sind hier schon deutlich weiter. Welchen Nutzen VAS für die Pharmaindustrie haben und welche Rolle Serialisierung dabei spielt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Im Gesundheitsbereich gibt es bereits zahlreiche Beispiele für value-added services (VAS). Einige Krankenkassen bieten ihren Kunden beispielsweise ein Onlineportal mit Postfach, wichtigen Dokumenten zum Download und erweiterten Informationen an. Auch bei den derzeit sehr beliebten Fitnesstrackern kommen VAS zum Einsatz: Gemeinsam mit dem Tracker wird eine App zum Auswerten der Daten angeboten und gleichzeitig der Zugang zur Community ermöglicht, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Auch die Pharmaindustrie kommt langsam auf den Geschmack. Laut dem eyeforpharma’s industry Healthcheck Survey sind 73 Prozent der Geschäftsführer von US-Pharmaunternehmen davon überzeugt, dass VAS zukünftig eine große Bedeutung in ihrer Geschäftsstrategie haben werden. Das ist durchaus positiv. VAS helfen dem mündigen Patienten bei der Genesung, verringern zugleich die Behandlungskosten und steigern den Unternehmenswert.

Pharmaindustrie: vom Hersteller zum Partner

Gleichzeitig könnten VAS den Ruf der Pharmaindustrie weiter steigern: Ein erweitertes Angebot über Produktion und Verkauf des Medikamentes hinaus führt zu mehr Vertrauen und Bindung bei den Kunden. Allerdings, und das ist der Knackpunkt, sollte nicht nur das Verkaufsinteresse im Vordergrund stehen. Transparenz und Service sind der Ansatz, der die Beziehung zwischen Pharmaindustrie und Patienten weiter verbessern kann. So kann die Pharmaindustrie vom Produzenten medizinischer Produkte zu einem vertrauenswürdigen Partner und langfristien Begleiter in Sachen Gesundheit werden.

Dazu müssen die value-added services

  • einen nachvollziehbaren Mehrwert für den Patienten bieten
  • den Patientendialog fördern
  • zusätzliche Transparenz ermöglichen

„Add value to your serialization“

Serialisierung ist ab 2019 Pflicht. In Kombination mit VAS kann ihr Nutzen über das Bekämpfen von Medikamentenfälschungen hinausgehen. Rückrufaktionen werden einfacher, dem Patienten kann der Zugang zu individuell zugeschnittenen Informationen ermöglicht werden, über Apps gelangen zusätzliche Daten an den Pharmazeutischen Hersteller zurück und es entsteht ein Dialog zwischen Pharmaindustrie und Patient. Ein Praxisbeispiel wäre eine App, die sich der Patient nach dem Medikamentenkauf herunterladen kann: Mit ihrer Hilfe kann er schauen, ob sich individuelle Risiken durch Vorerkrankungen oder die Einnahme anderer Medikamente ergeben und Symptome, Nebenwirkungen und Verbesserungen tracken. Diese Daten ermöglichen den Pharmaunternehmen wiederum einen individuell zugeschnittenen Service und die Möglichkeit ihr Produkt weiter zu verbessern. Aber nicht nur der Patient kann von VAS profitieren. Auch alle weiteren Stationen entlang der Wertschöpfungskette können VAS nutzen.

Im Zusammenspiel mit Serialisierung wird also eine individuelle und wechselseitig Kommunikation ermöglicht, das Marketing zielgerichteter und informativer, die Wertschöpfungskette sicherer und das Angebot der Pharmaunternehmen an das digitale Zeitalter angepasst.

*Value-added services sind Mehrwertdienste, also Dienstleistungen, die über das Basisprodukt hinausgehen. Die Unternehmen wiederum können sich durch solche Angebote gegenüber Mitbewerbern absetzen und sich mehr Marktanteile sichern.